Die Zeichen stehen auf Grillen!

Die kulinarische Durchschlagskraft seiner Schöpfung war dem homo erectus vor gut und gerne 700.000 Jahren sicherlich nicht bewusst. Neben Licht, Wärme und dem Schutz vor wilden Tieren war jenes Feuer nicht weniger als die erste Einbauküche des Planeten.
Über die Jahre (oder eher Jahrtausende) wurde aus Reibungsfeuer oder Feuerstein und Zunder alsbald Grillanzünder und Kugelgrill.

Die Vorliebe sein Essen (aka. Fleisch) über Feuer zuzubereiten, ist dem Menschen in seinen Evolutionsstufen geblieben. Und selbst der Schritt zum Vegetarier tut dem Grilldrang des Menschen keinen Abbruch. Auch Paprika und Tofu-Paddy finden eine Hot-Zone auf den Grillrosten dieser Republik. In schonungsloser Ehrlichkeit gesprochen: „Grillen ist ein unmittelbarer Ausdruck am Leben zu sein!“. Und jetzt zu den versprochenen Fakten, Tipps und lustigen Randnotizen. Flamme an!
 

Grillen – keine Schule!

Spätestens Mitte März gibt es kein Halten mehr! Balkon, Dachterrasse oder Loggia werden mit flinken Griffen und ausladenden Kehrbewegungen vom Schmutz und Unrat des Deutschen Winters befreit und der Smoker/Kugel/Oderwieauchimmer-Grill des jeweiligen Trend-Herstellers der Vorsaison wird aus seinem Wintergefängnis entlassen (Weber unchained!). Die Ketten der Minustemperaturen und die Decke aus Schnee, Frost und Mistwetter sind in den meisten Gegenden Deutschlands pulverisiert und die Population an Läufern und Radfahrern steigt in innerstädtischen Parks wieder auf ein volksgesundes Maß an. „Es wird Frühling/Sommer!“, ist das gedachte und gefühlte Credo der Zeit ab Mitte März und die ersten Sonnenstrahlen regen Weiblein und Männlein in höchsten Tönen dazu an, das Candle Light Dinner unter freiem Himmel und heißer Flamme zuzubereiten.

„Grillen – keine Schule“, ist sinnbildlich für die ersten sonnigen Monate und das Gefühl von „endlich wieder Sonnenschein“. Manchmal darf man Yoga und Selbstfindung einfach gut sein lassen und seinen Seelenfrieden einfach am Grill finden. 
Kochen überm Feuer ist mehr als nur „Essen machen“. Grillen ist eine Erfahrung, ein bisschen zu sich selbst finden und so´n Männerding.
 

Von Feuer, Flamme und Grillfehlern – 7 Sünden

Eigentlich denkt man sich, kann man beim Grillen nicht viel falsch machen – Fleisch, Rost, Gewürze, Feuer! Und „eigentlich“ ist das gefährlichste Wort der Welt. Folgende Fallstricke und Todsünden warten auf uns leidenschaftliche Grill-Freunde!
 
  • Die Gabel (des Teufels)! Auch wenn beinahe jedes Grill-Set eine Fleischgabel (meist größentechnisch überproportioniert) in petto hat, verzichten Sie am besten auf dieses Teufelsding. Wer sein Fleisch mit dieser Grillgabel wendet, verletzt die Faserstruktur des Grillguts und riskiert, ein zähes Stückchen Elend. Durch die Einstichstelle tritt Fleischsaft aus. Das Endergebnis: ein zähes und trockenes Steak. Die perfekte Alternative ist eine Grillzange ohne Dornen! Perfektes Handling bei perfektem Schutz!

 
  • Bier in die Glut! Kennt man noch von Opa und aus dem Fernsehen. Ist aus unterschiedlichen Gründen „doof“. Die Flüssigkeit kühlt nicht nur den mühevoll aufgeheizten Innenraum des Grills ab, durch Bier und Konsorten wirbeln gesundheitsgefährdende Aschepartikel auf. Auch in Sachen Geschmack bringt Bier rein gar nichts, die Flüssigkeit ist viel zu kurz in Kontakt mit dem Grillgut.   
  • Der Kühlschrank. Der Anfängerfehler vor allem im Sommer. Auch wenn das Thermometer 37°Celsius anzeigt und der Planet vom Himmel knallt, lassen Sie das Fleisch rechtzeitig aus dem Kühlschrank. Nur so können sich die Fleischfasern akklimatisieren und der ganz besondere Steak-Cut hat eine Chance zum perfekten Steak zu werden.    
     
  • Anschneiden… Mit dem Grillmesser können ziemlich doofe Sachen veranstaltet werden. Fehler #1 ist die Schnittprobe! Wer wissen möchte, ob sein Steak die gewünschte Garstufe erreicht hat, kann gerne auf die Faser drücken, mit einem Fleischthermometer nachmessen oder einfach auf Glück hoffen. Anschneiden ist jedoch eine Todsünde! Wer so prüft, bekommt zu 100 % ein trockenes Stück Fleisch.
     
  • Nicht warten können. Kaum ist man mit dem Anheizen fertig, schon wirft der erste Stümper sein Möchtegern-Ding (die Güteklasse „Steak“ hat dieses Häufchen „Pressfleisch“ nicht verdient) auf den Rost. Das ist ebenfalls ein Anfängerfehler. Der Grillraum ist noch nicht heiß genug oder die Grilltemperatur ist schlicht noch nicht zu kontrollieren. Das Ergebnis ist dann ein labbriges Etwas, das auf dem Teller noch muht oder ein Brikett.
  • Rub & Marinade. Auch wenn es in Mode ist, beim Metzger fertiges Fleisch zu kaufen und auf die tolle Marinade und den trendigen Rub zu schwören… Leider wird an vielen Fleischtheken noch minderwertige Qualität als „Premium“ kaschiert oder mit minderwertigen Gewürzen eine „Kriegserklärung an jedweden Geschmackssinn“ zusammengepanscht. 
  • Der stressige Deckel! Grillen ist Zen und kein Work-Out. Wer permanent den Deckel öffnet, um irgendwas zu prüfen, sollte zurück in die Grundschule des Grillens. Wir öffnen nur, um einen sinnvollen Handgriff zu erledigen und nicht um ein Foodporn-Bild für Facebook zu schießen.  

Binsenweisheiten und die Wahrheit – der Grill-Faktencheck

  • Gas ist für Weicheier und es schmeckt nicht! Blödsinn – moderne Gasgrillstationen sind den Kollegen, die auf Glut und Rauch schwören in keinerlei Hinsicht unterlegen. Vielmehr nährt sich dieses Vorurteil der Borniertheit des flegelhaften Wald-und-Wiesen-Grillers. Gas als Triebwerk bietet gewisse Vorurteile im Handling und vor allem in der Einfachheit. Wer dies bezweifelt, dem sei ein Testwochenende mit einem Weber Genesis II ans Herzen gelegt.
     
  • Hauptsache mariniert, weil ansonsten schmeckt es nicht. Vor allem besondere Cuts und Schnitte sind pur eine Genussreise. Verschiedene Nuancen eines Tomahawk-Steaks lassen sich nur erkunden, wenn es nicht in Pampe ersoffen wurde!
     
  • Heiß und schnell! Quick and dirty! Nicht jedes Grillgut verträgt Weißglut! Oder anders formuliert: „Jede Fleischart und jeder Schnitt hat seine perfekte Temperatur.“
     
  • Holz ist besser als Kohle! Vor allem stark harzende Hölzer sind ungeeignet, um den Grill mit Hitze zu versorgen. Ähnlich wie nasses Holz erzeugen harzige Scheiten eine enorme Menge an Rauch und Qualm! Dieser überträgt sich dann auf Fleisch und Würste und das Ergebnis schmeckt bitter und zu rauchig.
     
  • Zucker ist perfekt für die Marinade! Lebensmittelchemie I – Zucker karamellisiert (das ist toll) und Zucker verbrennt sehr schnell (das ist bitter). Deshalb Zucker mit Vorsicht „vermarinieren“.
     

Absurdes und das Grill-Grauen

Selbstverständlich ist die hohe Kunst des Grillens nicht nur für Fleisch, Fisch, Wurst, Gemüse und Tofu eine standesgemäße Art der Zubereitung. Vom Marsh Mallow bis zur Maracuja lässt sich im oder über der Glut vieles richtig machen. Auch wenn Risotto mit Röstaromen auf die erste Gabel „neu“ schmeckt, Grillen ist höllisch kreativ!

Doch die Grenzen des guten Geschmacks sind fließend und frequentiert. Vor allem auf dem höchsten Level der Grillkunst und den Grillmeisterschaften dieser Erde sind absurde und grauenhafte Grillversuche ein MUSS!

Ende der Reise in Sachen „Warum“ ist jedoch ein „Rezept“ der Natural Born Grillers, einer amüsant-kreativen Grill-Legende vergangener Tage: die Schwarzwälder Kirschtorte vom Grill klingt amüsant und außergewöhnlich, aber alles, was man in den Weiten und Tiefen des Internets an Rezepten und Ideen so findet, muss man nicht zwingend umsetzen…