Der kleine Küchenknigge

Wie meistern Wohnspezialisten ihre ganz alltäglichen Probleme in der Küche? Wir beantworten Ihnen Fragen rund um den Toaster, die Landhausfronten und die Freizeitgöttin.



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Wie viele Geräte kann man aufstellen, ohne dass es aussieht wie im Elektromarkt?

Damit nicht alles vollgestellt und im schlechtesten Fall unaufgeräumt wirkt, sollte man überlegen: Welche Geräte brauche ich täglich? Wasserkocher und Toaster? Dann dürfen die auf der Arbeitsplatte wohnen. Aber müssen auch noch der Eierkocher, die zweifelsfrei dekorative Küchenmaschine im Retrolook oder ein Blender für – erst mal nur gute Vorsätze geplante – Grünkohl-Chiasamen-Haferdrinks gleichzeitig an Deck sein? Falls die Möglichkeit besteht, bitte wegräumen. Der Gewinn wäre Platz zum Arbeiten, optisch mehr Luft und Geräte ohne Fett-Staub-Film.

2
Ist es altmodisch, sich gegen eine Wohnküche zu entscheiden, weil man beim Kochen lieber die Türe schließt?

Nein, gar nicht! Eine geschlossene Küche kann den Alltag sogar sehr entspannen, denn die offene und meist viel größere Variante raunt ja ständig: „Räum mich auf! Stell das Geschirr weg und mach sauber.“
Eigentlich stört jede Müsli- oder Nudelpackung den schönen Anblick, ihr Inhalt gehört bestenfalls in hübsche Gefäße umgefüllt.

Das kann empfindliche Gemüter ganz schön stressen. Und dabei allen Respekt vor Hightech: Auch beim besten Dunstabzug ist es kaum möglich, Koch- und Bratgerüche in einer großen Wohnküche komplett zu vermeiden. Allerdings gibt es heute wunderschöne und kommunikative Wohnküchenkonzepte, mit viel Stauraum, flüsterleisen Geschirrspülern und halbhohen Tresen, hinter denen benutzte Töpfe und Geschirr verschwinden. Am Ende lautet die Frage, die sich jeder selbst beantworten muss: Wie viel Kommunikation oder eben Rückzug brauche ich beim Kochen?

3
Ist es eigentlich albern, in eine Neubauwohnung in der City eine Landhausküche einzubauen?

Nö. Sie sollten nur nicht hardcore landhäusig aussehen. Also vielleicht lieber keine weiß glänzende Friesenhausküche Modell „Keitum“ auswählen, sondern die feine englische Art mit Rahmenfronten und einer dezenten Farbe matt lackiert – diese Art von „Country Kitchen“ ist stadtfein und zeitlos. Auch ein Gasherd macht sich in der City gut, man sollte nur auf die richtige Proportion achten, zum Beispiel von Herdbreite und Deckenhöhe.

4
Ist eine Sprachsteuerung für den Kühlschrank und eine App für die Kaffeemaschine sinnvoll?

Weil mit der „smarten“ Technologie heute fast alles möglich ist, wird auch fast alles angeboten. Klar macht das Spaß, und es ist auch immer wieder erstaunlich, was alles geht. Die Vorstellung, von unterwegs den Milchvorrat im Kühlschrank zu kontrollieren und per Sprachsteuerung drei Liter nach Hause zu bestellen, ist faszinierend.

Das relativiert sich vielleicht etwas, sobald darüber nachdenkt, dass eine Sprachsteuerung nicht nur die Bestellung mit dem festgelegten Kommandowort hört und aufzeichnet, sondern theoretisch (leider oft auch praktisch) alles. Man kann zwar in der Cloud nachschauen, welche Gespräche gespeichert wurden, und sie wieder löschen oder überprüfen, ob die Kommandoworterkennung funktioniert hat oder leider nicht... aber will man das? Was mit den Daten alles passiert, weiß man auch nicht so genau.

Die App der Kaffeemaschine ist da harmloser, dennoch möchte ich entscheiden, wer wissen soll, wie viel und welchen Kaffee ich wann trinke. Frühmorgens reicht es völlig aus, wenn mein Mann das weiß, wie viel Milch im Kühlschrank ist... für meinen Kaffee.

5
Wie bekommt man diese schicken rechtwinkligen Spülbecken sauber?

Gerade habe ich ein neues Wort gelernt: Spülmulde. Es bezeichnet eine ohne Ecken und Kanten aus einem Stück Stahl in Form gepresstes Waschbecken – nicht sonderlich schön, aber schön praktisch. Einmal beherzt mit dem Lappen und eventuell etwas Scheuermilch durchgewischt, und sauber ist das Ding. Viel schicker, aber leider auch viel pflegeintensiver sind die neuen Designerspülen.

Zwar sehen diese mit ihren scharfen rechtwinkeligen Kanten viel schneidiger aus, doch genau an diesen Stellen bleiben immer wieder Speisereste und hartnäckige Rückstände von Kaffee oder Tee hängen. Mit einfachem Durchwischen ist es hier nicht getan, selbst mit dem Rand des Spülschwams kommt man nicht weit genug in die Ecken.

Doch zum Glück gibt es gegen jedes Problemchen ein Hausmittelchen. Hier hat sich das mehrstündige Einweichen der betroffenen Stellen mit einer dickflüssig angerührten Paste aus Natron und etwas Wasser bewährt, die nach der Einwirkzeit mit einer alten Zahnbürste abschrubbt werden. Man könnte statt Natron auch Zitronensäure nehmen. Aber Vorsicht bei Naturstein! Hier die beiden Zutaten nur kurz einwirken lassen und die Spüle hinterher mit Vaselinen oder Olivenöl einreiben – schützt auch vor Kalkflecken.

6
Dürfen Kochmesser in die Spülmaschine?

Diese Diskussion gibt es wohl in jedem Haushalt, und die Antwort lautet: nein, auf keinen Fall und niemals! Warum? Ob ein Messer scharf ist oder nicht, liegt unter anderem am Schliff der Schneide. Je feiner der Klingenschliff und so auch der Schneidewinkel ist, desto mehr Druck kann man beim Schneiden erzeugen.
Das Metall der Klinge ist an dieser Stelle besonders fein, und genau hier setzen sie an, die Taps! Mit ihren aggressiven Säuren, Laugen und Salzen lassen sie das Metall immer poröser und die Schneide damit immer breiter werden, und das bedeutet stumpf. Zusätzlich leiden die Klingen auch, wenn sie durch ganz leichte Vibrationen andere Gegenstände in der Maschine stoßen. Und auch alle Holzgriffe halten so viel Aggression nicht aus. Also einfach nach Gebrauch abspülen, es sei denn, man möchte die Produktion in den Messermanufakturen ankurbeln.

7
Man sieht in Küchenreportagen und Magazinen oft offene Regalborde mit hübschen Tellern und Tassen. Ist das nicht total unpraktisch, weil alles einstaubt?

Ja, ist es, sieht aber gut aus. Es kommt darauf an, wo sich diese offenen Regale befinden. In der Nähe des Herdes sollte alles gut verschlossen sein, da es zusätzlich fettig werden kann. Da hilft dann nur regelmäßiges Putzen. Aber im Essbereich einer Wohnküche ist ja die Staubentwicklung nicht viel größer als im Bücherregal im Wohnzimmer. Wer Staub vermeiden will, schafft sich Pflanzen an, saugt und lüftet regelmäßig und entfernt alle Staubfänger. Alternativ tut es auch die sogenannte „Freizeitgöttin“.

8
Wie oft muss man Schwämme und Spültücher wechseln?

Wenn Sie ein Herz für Bakterien haben, am besten gar nicht. Der Küchenlappen ist die Hauptbrutstätte für Mikroorganismen in jeder Wohnung, sozusagen die Zentrifugalschleuder, von der alles Mikroleben ausgeht. Selbst die Toilette kann hier nicht mithalten.

Besonders schätzen es die Keime, wenn Sie Krümel und vielleicht auch ein paar Tropfen Milch oder Orangensaft auf Ihrem Tisch oder der Arbeitsfläche wegwischen und den Schwamm anschließend einfach in die Spüle werfen. Da schreien die Bakterien: Hurra!

Dann bilden sich in nur wenigen Stunden prächtige, ausgewachsene Exemplare von gigantischer Zahl, ähnlich unüberschaubar und sympathisch wie das Heer der Orks im „Herr der Ringe“. In meinem Haushalt herrscht deswegen ein strenges Lappenregiment. Spültücher werden nach Gebrauch heiß ausgewaschen und zum Trocknen aufgehängt, mindestens einmal in der Woche gewechselt, besser alle drei Tage, und bei 60 Grad gewaschen.
Hilfreich soll auch die Mikrowelle sein: Nasse Lappen rein, volle Strahlung drauf, Orks tot.

9
Was tun gegen hartnäckigen Brathähnchen- oder Knoblauchmief?

Was beim Zubereiten appetitlich riecht, stinkt einem oft am nächsten Morgen auf nüchternen, flauen Magen. Abhilfe schafft hier nur ein Drei-Stufen-Plan, der leider schon direkt nach dem gemütlichen Abendessen in Angriff genommen werden muss. Stufe eins: dreckiges Geschirr unmittelbar in die Spülmaschine befördern, Pfannen zumindest einweichen, Müllbeutel mit Knoblauch- oder Essensresten in die Tonne vors Haus tragen.
Stufe zwei: kräftig stoßlüften. Stufe drei: Entweder die Lieblingsduftkerze anzünden oder eine spezielle luftreinigende Duftlampe verwenden. Alternativ Wasser mit ein paar Zimtstangen in einen Topf aufsetzen und eine Weile köcheln lassen. Holzbretter lassen sich übrigens gut mit einer aufgeschnittenen halben Zitrone bearbeiten – tschüß, Knoblauch- und Zwiebelmief!

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Omas Haushaltstipps:

Benutzt man ein Schneidebrett oft zum Zwiebelschneiden, kann das Brett schnell den intensiven Zwiebelgeruch annehmen – nicht sehr appetitlich, wenn Sie etwas anderes auf dem Brett schneiden wollen... gibt es ungewöhnliche Abhilfe: Reiben Sie das Brett mit Zahnpasta ein und lassen es eine Weile einwirken. Dann spülen Sie es gründlich ab, und der Zwiebelgeruch verschwindet.

Hat das gebratene Schnitzel Fettspritzer auf dem Herd hinterlassen? Wischen Sie es am besten weg, solange der Herd noch heiß ist (natürlich ohne sich die Finger zu verbrennen), denn dann geht es am einfachsten.

Hat Ihre Lieblingsteekanne inzwischen auch außen unansehnliche Teeflecken? Reiben Sie die Kanne mit einer Paste aus Salz und Essigessenz ab.

Alte Herdplatten sind nicht ganz einfach zu reinigen. Knüllen Sie etwas Alufolie zu einem Ball zusammen und reiben die Platte damit sauber.

Vasen oder Thermoskannen lassen sich reinigen, indem Sie diese zu Dreiviertel mit warmem Wasser füllen und dann Backpulver darin auflösen. Ein paar Stunden stehen lassen und mit klarem Wasser ausspülen. Eine aufgelöste Gebiß-Reinigungs-Tablette plus Einwirkung über Nacht funktioniert ebenfalls.